Traunstein ist »fit« für die Herausforderungen der Zukunft


 

Die 2. Traunsteiner Gesundheitstage haben am Mittwochabend mit einer Podiumsdiskussion begonnen. Thema war die Frage, ob Traunstein für die Zukunft »fit« sei, wobei sich diese Frage, die Moderator Jürgen Pieperhoff an die sechs Podiumsteilnehmer stellte, insbesondere auf Fragen im Zusammenhang mit dem Älterwerden der Bevölkerung bezog. Jeder Podiumsteilnehmer ging in kurzen Statements auf sein »Spezialgebiet« ein.

 

 

 

 

Georg Niederbuchner vom VdK Traunstein dankte der Stadt Traunstein für ihr Engagement für behinderte Menschen: »Hier ist viel bewegt und investiert worden.« Nahversorgung, Sicherheit, Barrierefreiheit und ausreichende Parkplätze seien zentrale Themen für ältere Menschen in der Stadt. Er mahnte den barrierefreien Ausbau des Traunsteiner Bahnhofs an, dessen Umbau durch die Deutsche Bahn AG für das kommende Jahr fest vorgesehen ist. Kritisch sieht er die Notdienstbereitschaft der Apotheken: »Für ein Medikament von Kammer nach Siegsdorf zu einer Apotheke zu fahren ist für Behinderte eine Zumutung.«
Professor Rupert Ketterl betonte: »Traunstein ist eine lebenswerte Stadt. Das Krankenhaus der Zukunft wird eine altersgerechte Versorgung schaffen.« Der Leiter des Traunsteiner Gesundheitsamtes, Dr. Franz Heigenhauser, sagte, dass der Landkreis Traunstein keinen Ärztemangel habe. Es bestünde ein Versorgungsgrad von über 100 Prozent. Medizinische Versorgungszentren (MVZ) im Stil von »Ärztehäusern« würden verstärkt in Oberzentren wie Rosenheim und Traunstein kommen.
Dagmar Friemel-Sturm vom Selbsthilfezentrum Traunstein erwähnte die vielen Gruppen, in denen sich Menschen mit ähnlichen Krankheiten zusammenfinden würden. Rund 100 Selbsthilfegruppen gäbe es im Landkreis Traunstein, 60 davon in der Stadt Traunstein in denen ältere Menschen »Freiwilligendienste« im Stil des freiwilligen sozialen Jahres für Jugendliche arbeiten würden.
Der Behindertenbeauftragte des Landkreises Traunstein, Siegi Götze, ging zusammen mit Julia Schnell (Teamleitung der Kontaktgruppe II für Körperbehinderte) auf das Thema »Menschen mit Behinderung« ein. Investitionen in die Barrierefreiheit seien wichtige Zukunftsinvestitionen. Er wies darauf hin, dass im Landkreis über 10 Prozent der Einwohner eine Behinderung hätten (Stadt Traunstein über 12 Prozent). Über 500 Menschen seien im Landkreis auf den Rollstuhl angewiesen (Stadt Traunstein rund 80 Menschen).
Er hinterfragte die gesetzlichen Regelungen im Zusammenhang mit Bauvorschriften für Neubau Wohnungen und machte klar, dass in der Bevölkerung die Bewusstseinsbildung zu dem Thema noch nicht ausreichend sei: »Da gibt es noch viel zu tun.« Der Stadt Traunstein attestierte er aber: »Es ist viel getan worden.« Stadtrat Wilfried Schott legte den Fokus in der Diskussionsrunde auf das Thema »Wohnen im Alter«. Hier müsse man Anpassungen im städtischen Wohnungsbestand vornehmen. Traunsteins 3. Bürgermeisterin Waltraud Wiesholer-Niederlöhner wies darauf hin, dass die Stadt im eigenen Wohnungsbestand behindertengerechte Umbauten vornehme.
Traunstein sei auch aus seiner Geschichte als frühere Kurstadt immer ein »Kompetenzzentrum für Gesundheit« gewesen, sagte Stadtrat Karl Schulz. Traunstein sei ein guter Gesundheitsstandort. »Wo man gut versorgt wird, hält man sich gerne auf.« Der Trend gehe zurück in die Innenstädte. Einzig der Architekt Thomas Bittner aus Traunstein sprach ein hartes Urteil über die Frage der »Stadtfitness«: »Mit dem mangelhaften öffentlichen Nahverkehr ist Traunstein nicht fit für die Zukunft.« Der langjährige Kreistagsabgeordnete Andreas Seehuber aus Otting sprach dagegen dem überwiegenden Teil der Anwesenden aus dem Herzen: »Eigentlich kann man hier sehr zufrieden sein.«
Die 2. Traunsteiner Gesundheitstage werden noch bis Samstagnachmittag mit verschiedenen Tages- und Abendveranstaltungen fortgesetzt.

Traunsteiner Tagblatt vom 24.09.2010 (Andreas Wittenzellner)