Potenziale im Tourismus besser nutzen

Arbeitskreis macht Empfehlungen für touristisches Leitbild der Stadt Traunstein
 Traunstein hat seinen Besuchern nicht nur als „Vaterstadt“ von Papst Benedikt XVI., sondern auch als Einkaufs- und Erlebnisstadt im Herzen des Chiemgaus eine Menge zu bieten: Dieses Potenzial möchten die Teilnehmer eines Workshops zum Thema „Tourismus“ in Zukunft besser nutzen, um Traunstein als Ziel für Tages- und Wochenendtouristen attraktiver zu machen. Auf Initiative von Stadtmarketing-Koordinator Jürgen Pieperhoff entwickelten die Workshop-Teilnehmer eine Liste mit Empfehlungen für ein touristisches Leitbild. „Traunstein braucht eine stärkere touristische Wahrnehmung“, sagte Pieperhoff bei der ersten Arbeitssitzung im Rathaus. Oberbürgermeister Manfred Kösterke formulierte den Zweck des Treffens so: „Gerade weil wir das Herz des Chiemgaus sind, haben wir Dinge zu bieten, die wir herausarbeiten und herausstellen müssen.“
Unter anderem haben sich Vertreter der heimischen Gastronomie, der Brauereien und der Werbegemeinschaft bereit erklärt, im Tourismus-Workshop mitzuarbeiten. Hintergrund der Leitbild-Diskussion ist die Frage, mit welchen Angeboten und für welche Zielgruppen sich Traunstein in der neuen Chiemgau Tourismus GmbH positionieren wird. Die GmbH verfügt über einen Jahresetat von 1,5 Millionen Euro und hat die Aufgabe, die Urlaubsregion Chiemgau professionell zu vermarkten. Wie der Tourismus-Referent des Stadtrates, Ernst Haider, berichtete, hatte der Tourismus im Landkreis Traunstein im Jahr 2007 vor allem mit einem Rückgang der Übernachtungen und der geringen Bettenauslastung von nur 35 Prozent zu kämpfen. Erfreulicher sei die Entwicklung in der Stadt Traunstein, die im Jahresvergleich einen leichten Zuwachs bei den Übernachtungszahlen verzeichnen konnte und damit den elften Platz unter den 35 Städten und Gemeinden im Landkreis belege. Für Urlauber und Geschäftsreisende gibt es in Traunstein laut Haider rund 730 Betten. Mit der Frage „Wie kann Traunstein sein Profil entwickeln?“ eröffnete Haider die Diskussion der Workshop-Teilnehmer.
Als erster präsentierte Oberbürgermeister Manfred Kösterke seine Vorschläge: Er möchte Traunstein zum einen als „Einkaufszentrum mit Flair“ und als zum anderen als „Vaterstadt“ von Papst Benedikt XVI. präsentieren. „Man muss das Rad nicht neu erfinden, aber man benötigt ein klares Konzept, Ausdauer und eine breite Basis in der Bevölkerung, um das Konzept konsequent umzusetzen. Diese Aufgabe ist komplex und schwierig“, sagte Kösterke. Als Beispiel für eine erfolgreiche touristische Positionierung verwies der Oberbürgermeister auf Inzell, das mit seinen Angeboten in den Bereichen Wintersport, Natur und Wellness eine klare Zielgruppe anspreche.
Im Tourismus-Workshop setzte sich rasch die Auffassung durch, dass Traunstein mit seiner breiten Angebotsvielfalt um die Gunst der Urlauber werben müsse. „Traunstein ist mehr als der Papst“, sagte etwa die Leiterin der Stadtbücherei, Anette Hagenau. Außerdem müsse Traunstein das Image der „Schlechtwetterstadt“ ablegen, in die Urlauber vor allem bei Regen kommen, um einzukaufen. Auf die Frage nach den Potenzialen von Traunstein wurden am häufigsten der Rad- und Wandertourismus und das Kulturangebot genannt. Mit den Stadtspaziergängen zu Themen wie der Saline und dem Kulinarischen Spaziergang sei Traunstein bereits auf einem guten Weg, sagte der Inhaber des Parkhotels, Martin Schwaiger.
Der Vorsitzende der Werbegemeinschaft, Thomas Miller, wünschte sich eine offensivere Darstellung als „Papststadt“. Eine zusätzliche Möglichkeit sei auch die Vermarktung als „Bierstadt“, lautete der Vorschlag von Bernhard Sailer und Rudi Wochinger. Wilfried Schott, Stadtratsmitglied der Grünen, sieht den Bahnhof und die verkehrsgünstige Lage als Vorteil und forderte einen Ausbau der öffentlichen Verkehrsmittel, damit Urlauber aus den umliegenden Orten leichter nach Traunstein kommen können. Die Tourismus-Kauffrau Sylvia Sieber möchte Urlaubern einen kostenlosen Reiseführer anbieten, um auf Traunstein neugierig zu machen. Stadtmarketing-Koordinator Jürgen Pieperhoff sieht vor allem die guten Einkaufsmöglichkeiten in Traunstein als Vorteil. „Wo sonst im Landkreis können die Urlauber in mehr als 400 Fachgeschäften einkaufen?“, fragte Pieperhoff. Nicht vergessen dürfe man auch die Angebote im Gesundheitswesen wie das Krankenhaus und die Facharztpraxen.
Als Entwurf für das künftige Leitbild hat der Workshop seine Ergebnisse in fünf Punkte gegliedert: Traunstein ist Einkaufszentrum, die „Vaterstadt“ des Papstes, Kulturzentrum, Gesundheitszentrum und „aktives Zentrum“ für den Rad- und Wandertourismus. Bei ihrem nächsten Treffen im Mai werden die Workshop-Teilnehmer diese Punkte im Detail ausarbeiten und sich Gedanken über die Frage machen, wie Traunstein seine Angebote für Urlauber konkret verbessern kann.