Nein Danke zu Aventura

Das schreibt das Traunsteiner Tagblatt vom 21.3

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Traunstein. In einer emotionsgeladenen Diskussion lehnten Vertreter aus Handel und Gewerbe in der Region den geplanten Aventura-Freizeitpark neben der Autobahn bei Neukirchen geschlossen ab. Die Argumente von Teisendorfs Bürgermeister Franz Schießl für das Vorhaben stießen weitgehend auf taube Ohren.

Vertreter der Werbegemeinschaft Traunstein, der Stadtmarketing GmbH und des Einzelhandelsverbandes, die den Diskussionsabend am Dienstag im Gasthaus Sailer-Keller organisiert hatten, ließen keinen Zweifel an ihrer strikten Ablehnung des Projektes. Sie fürchten unter anderem, dass Kaufkraft abgeschöpft werde und in der Folge Einzelhandelsgeschäfte schließen müssten. Das würde vor allem Traunstein, aber auch viele andere Orte in der Region hart treffen. Es könnte sich sogar so negativ auswirken, dass Ortsstrukturen nachhaltig verändert werden.

 

»Unanständiges Angebot« aus Traunstein?

Eine pikante Note bekam die Veranstaltung, als sie schon fast vorbei war. Der Projektleiter für den geplanten Freizeitpark, Rolf Seidl aus Siegsdorf, meldete sich zu Wort und erklärte, ihn habe ein »leitender Mitarbeiter der Stadt Traunstein« angerufen und ein Grundstück in Haslach angeboten, auf dem das Aventura errichtet werden könnte.

»Diese Anfrage ist unter aller Kanone, wenn es so sein sollte«, sagte dazu der Leiter der Werbegemeinschaft Traunstein, Thomas Miller. Er forderte Seidl auf, zumindest nach der Versammlung einem Vertreter des Stadtrates den Namen des Mitarbeiters zu nennen, was Seidl zwar in der Versammlung zusagte; nach Ende der Diskussion darauf angesprochen, lehnte er eine Namensnennung jedoch ab, wie Miller und 3. Bürgermeisterin Waltraud Wiesholer-Niederlöhner gestern in Gesprächen mit dem Traunsteiner Tagblatt betonten. Auch Oberbürgermeister Manfred Kösterke, der wegen eines anderen Termins nur zu Beginn an der Diskussion im Sailer-Keller teilnahm, stellte gestern in einem Gespräch mit unserer Zeitung unmissverständlich klar, ein diesbezüglicher Auftrag sei nicht von ihm gekommen. Die Stadt habe auch gar kein Interesse an der Ansiedlung eines solchen Freizeitparks.

OB Kösterke gegen ein »Ausufern in der Fläche«

Der Oberbürgermeister betonte, das Thema Aventura sei im Stadtrat noch nicht behandelt worden, weil das sogenannte Zielabweichungsverfahren noch nicht eingeleitet worden ist. In einem solchen Verfahren wird geklärt, ob für ein bestimmtes Projekt die Zielvorgaben im Landesentwicklungsprogramm außer Kraft gesetzt werden können. Die beabsichtigte Novellierung des Landesentwicklungsprogrammes (LEP) habe eine Diskussion ausgelöst, die sich gegen ein »Ausufern in der Fläche« wendet.

Kösterke: »Wenn das Wuchern in der Fläche so weitergeht, sterben Metzgereien und Bäckereien.« Er erinnerte daran, dass das Aventura zunächst an der Autobahn bei Kiefersfelden geplant war und damals das Zielabweichungsverfahren der Gemeinde gescheitert war.

Der Staat will bewährte Strukturen aufbrechen

In den Stellungnahmen wurde immer wieder der »Wildwuchs« in Österreich angesprochen, wo es keine Ordnungsstrukturen für Geschäftsansiedelungen gibt. In Bayern ist im LEP geregelt, wo sich Firmen in welcher Größe niederlassen können.

Da gibt es zum Beispiel ein sogenanntes Anbindungsgebot, mit dem verhindert werden soll, dass sich Betriebe auf der »grünen Wiese«, weitab von Siedlungen niederlassen können. Unter dem Motto Entbürokratisierung will die Staatsregierung das LEP und insbesondere dieses Anbindungsgebot lockern, berichtete die Geschäftsführerin des Handelsverbandes des bayerischen Einzelhandels (HBE), Simone Streller. Das würde neuen Einzelhandelsgroßprojekten mit über 800 Quadratmetern Verkaufsfläche Tür und Tor öffnen. Die Zahl der im LEP ausgewiesenen, möglichen Standorte würde sich verdoppeln.

Kein Verständnis für Pläne der Gemeinde Teisendorf

Der Vorsitzende des HBE im Berchtesgadener Land, Christian Klotz, geißelte in einem emotionsgeladenen Vortrag die Pläne für den Freizeitpark und malte ein Horrorszenario, wie sich die Ansiedlung auf die gesamte Region auswirken könnte. Er zeigte keinerlei Verständnis für die Pläne der Gemeinde Teisendorf. Das Aventura könnte auch an der Autobahn bei Reichenhall entstehen – und das sogar ohne Zielabweichungsverfahren. Die Stadt Bad Reichenhall lehne das jedoch ab, weil sie die »Städte stärken und nicht die Region kaputtmachen will«.

Gegen »Verhältnisse wie in Österreich«

Er verwies darauf, wie schwach der Einzelhandel in der Stadt Salzburg ist, weil die Bürger in Erpfendorf, in Wals und im Europark einkaufen. Er warnte davor, bei uns »den gleichen Blödsinn« zu machen. Er befürchte »österreichische Verhältnisse« und »die österreichische Krankheit«, wenn das Wirtschaftsministerium das LEP lockert.

Klotz lobte die sehr positive Entwicklung in Teisendorf, welche die Handschrift von Bürgermeister Franz Schießl trage. Man solle aber nicht etwas bauen, das zu Lasten der Region gehe. »Flächenwachstum ist kein Erfolg, sondern immer Kannibalismus«, formulierte er drastisch. Es wäre kontraproduktiv, an der Autobahn zu bauen: »Wir wollen die Touristen in den Gemeinden und nicht an der Autobahn.

Auch die Gastronomie »geht baden«

Wenn Geschäfte im Aventura Sport- und Freizeitartikel anbieten, dann werden »Teisendorf und die Nachbargemeinden daran ersticken«, zeigte sich der Redner überzeugt. Wenn der Einzelhandel geschwächt wird, »dann geht auch die Gastronomie baden«, wies Klotz auf die weiteren Folgen hin. Sein Fazit: »Wir müssen alles tun, um das Vorhaben zu verhindern.«

Zu Beginn des Diskussionsabends hatte Teisendorfs Bürgermeister Franz Schießl das Projekt aus Sicht seiner Gemeinde vorgestellt und erklärt, welche Vorteile er sich davon für den Markt Teisendorf erhofft: Aufträge für heimische Betriebe und 150 zusätzliche Arbeitsplätze. Die Autobahn habe der Gemeinde nur Belastungen gebracht; jetzt bekommen man die Möglichkeit, das Potenzial aus dieser Verkehrsader zu nutzen.

Zu wenig Arbeitsplätze in Teisendorf

In seiner Gemeinde gebe es 3300 Arbeitnehmer, aber nur 1300 Arbeitsplätze. Auch hinsichtlich der Verkaufsfläche sei man neben Chieming Schlusslicht in der Region (Zahlen von 2005). Teisendorf habe einen »gewaltigen Nachholbedarf«. Mit dem Aventura würde sich die Verkaufsfläche in der Marktgemeinde von 0,6 auf 1,2 Quadratmeter pro Einwohner erhöhen. Man würde damit in etwa das Niveau von Inzell, Grassau und Waging erreichen: Damit werde »ein kleiner Nachholbedarf befriedigt«.

Nach diesen Stellungnahmen der »offiziellen« Vertreter meldeten sich zahlreiche Besucher zu Wort. Es wurde, wie der Vorsitzende der Traunsteiner Werbegemeinschaft, Thomas Miller, eingangs angekündigt hatte, ein langer und interessanter Abend, bei dem die unterschiedlichen Vorstellungen zum Aventura hart aufeinanderprallten. -K.O.-