Lebensraum Überschwemmungsgebiet an der Traun – eine Erkundung mit Kindern der Ludwig-Thoma-Grundschule

Wenn die Flüsse über die Ufer treten, bringt das häufig für den Menschen große Schäden mit sich. Die Natur hingegen hat sich im Laufe der Evolution nicht nur daran angepasst, sondern ist oftmals darauf angewiesen. Die Biologen Alexandra und Walter Mandl zeigten am Beispiel der Kiesbank und der Streuobstwiese bei Empfing, welche neuen Lebensräume die letzte große Überschwemmung an der Traun im Frühjahr 2014 hervorgebracht hat. Beteiligt an dem Programm waren auch die Kinder der AG Umwelt der Ludwig-Thoma-Grundschule.

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Nach einer kurzen Exkursion über den Flusslauf der Traun in früheren Zeiten und über die Artenvielfalt an Tieren, die damals lebten…

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…begaben sich alle Teilnehmer zur Kiesbank an der Traun.

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Dort wurden unter den Flusskieseln viele Tiere gefunden und mit Hilfe des Ehepaares Mandl bestimmt: Köcherfliegenlarven, Bachflohkrebse, Rollegel, Eintagsfliegenlarven, usw.

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Nebenbei bastelten die Kinder unter Leitung von Sonja Kirchmaier (Ludwig-Thoma-Grundschule) kleine Kescher, um dann auch in einem Uferbecken, das durch einen angeschwemmten Baum entstanden ist, nach Fischen und anderen Wassertieren zu suchen. Im Anschluss stellten die Kinder der AG Umwelt einige Lebewesen vor, die im Totholz nicht nur einen Lebensraum finden, sondern sogar darauf angewiesen sind. Viele davon stehen auf der Roten Liste der vom Aussterben bedrohten Arten. Diese Arten sind in ihrer Lebensweise hochgradig auf bestimmte Zerfalls- und Zersetzungsphasen von Holz angewiesen. Pilze, Flechten, Moose, Farne und viele Insektenarten, wie etwa Ameisen, Hautflügler und Schmetterlinge finden hier ihren Lebensraum. Der überwiegende Teil unserer 1000 Wespen- und Bienen-arten ist auf Alt- und Totholz angewiesen.

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Ebenso siedeln Vögel, Reptilien, Käfer, Bilche und andere Säugetiere. Um diesen wichtigen Lebensraum zu erhalten, haben die Kinder sowohl auf der Streuobstwiese als auch im Schulhof der Ludwig-Thoma-Grundschule Totholzhaufen angelegt. Letzte Station an diesem Nachmittag war die Sandfläche, die das Hochwasser 2013 am Rande der Steuobstwiese abgelagert hat. Dort haben verschiedene Arten von Sand- bienen und –wespen einen neuen Lebensraum gefunden, erkennbar an den vielen Löchern  der Brutröhren und an dem regen Flugbetrieb über dem Sand.

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Geduldige Betrachter konnten z.B. beobachten, wie die Fliegenspießwespe durch eines der Löcher in ihr Nest krabbelt. Diese Grabwespe legt ihre Nester in lockersandigen Flächen an. Für ihre Nachkommen macht sie Jagd auf Fliegen. Die Besonderheit der Fliegenspießwespen ist der Umstand, dass sie nach dem Abstechen der Beute ihren Stachel nicht wieder aus dem Opfer herauszieht, sondern die Fliegen daran hängend zum Nest schaffen. Am Ende der Veranstaltung waren alle Teilnehmer beeindruckt, von der Vielfalt an neuen Lebensräumen und an Tierarten, die hier auf einem Überschwemmungsgebiet zu finden sind. Zu verdanken ist diese Biodiversität vor allem der Tatsache, dass nach der Flut nicht alles „sauber“ aufgeräumt wurde, was die Natur neu geschaffen hat.

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