Ein bislang kaum bekannter Traunsteiner Künstler

Aufsatz über Klemens Thomas im Oberbayerischen Archiv

 

Das Oberbayerische Archiv, die Zeitschrift des Historischen Vereins für Oberbayern, besteht seit dem Jahr 1839. Im 19. Band konnte Johann Josef Wagner 1859 seine „Topographische Geschichte der Stadt Traunstein“ veröffentlichen, das für die Traunsteiner Stadtgeschichte bis heute wegweisende Werk. Nur wenige Lokalhistoriker konnten ihm bis jetzt mit einer Abhandlung in dieser wohl renommiertesten Reihe zur bayerischen Landesgeschichte nachfolgen. Nun hat nach 2003 (Christian Sachse, Der Physikatsbericht für das Landgericht Traunstein aus dem Jahr 1861) wieder einmal ein Beitrag über Traunstein Aufnahme gefunden. Stadtarchivar Franz Haselbeck war es vergönnt, in der 139. Ausgabe seine mehrjährigen Forschungen zu dem Architekten und Grafiker Klemens Thomas zu publizieren.

Auf 75 Seiten wird, illustriert mit 149 meist farbigen Abbildungen, das Werk eines bislang nur wenigen Interessierten geläufigen Traunsteiner Künstlers umfassend und, soweit möglich, abschließend vorgestellt. Wobei „Traunsteiner“ Künstler streng genommen gar nicht zutrifft, wie dem Leser schon die Überschrift „Das grafische Werk des Münchner Architekten Klemens Thomas (1884 – 1914)“ vermittelt. Warum uns dieser Münchener Architekt dennoch „Bemerkenswerte Zeugnisse der Traunsteiner Stadtgeschichte an der Schwelle zum Ersten Weltkrieg“, so der Untertitel,  hinterlassen hat, erfährt man in der akribisch recherchierten Biographie des Protagonisten – und man wird dabei auf einige überraschende Zusammenhänge stoßen. In einem ausführlichen Werkverzeichnis im Anhang werden die bekannten Arbeiten von Klemens Thomas gezeigt und erklärt. Unschwer kann man hier erkennen, wie sich sein Stil von den bisher in der Stadt und ihrer Umgebung gängigen grafischen und zeichnerischen Gepflogenheiten abhebt.

 

Aber der Aufsatz beschäftigt sich nicht nur mit dem Künstler Klemens Thomas. Der Autor versucht zudem, exemplarisch das Schicksal eines jungen Mannes aufzuzeigen, der am Beginn einer, beruflich wie auch privat, verheißungsvollen Zukunft stand und mit nicht einmal 30 Jahren, nur wenige Tage nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs, aus dem Leben gerissen wurde. Er war nur „einer der 240.000 Gefallenen der ersten Monate, einer von drei Millionen, die das Völkermorden unter den Soldaten und Zivilisten im Deutschen Reich gefordert hatte“. Aber dieses eine Schicksal steht stellvertretend für das Grauen und das unfassbare Leid, das die „Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts“ über die Menschen brachte. Gleichzeitig zeichnet Haselbeck mit Hilfe von Thomas’ Grafiken auch das Bild der Stadt zu Beginn des 20. Jahrhunderts und bringt dem Leser das Leben, die gesellschaftlichen Ereignisse und die Planungen der damaligen Zeit näher. Und hier wird durchaus deutlich, dass man an der Schwelle zur Moderne einen Weg eingeschlagen hatte, der (Stichwort Kurstadt) möglicherweise in eine – zumindest teilweise – andere Richtung geführt und Traunstein in manchen Bereichen heute einen anderen Zuschnitt beschert hätte, wenn nicht der Krieg und die folgenden Notzeiten diesen jäh unterbrochen hätten.

Der 139. Band des Oberbayerischen Archivs 2015 mit dem Beitrag von Franz Haselbeck über Klemens Thomas ist vor wenigen Tagen erschienen und kann im Stadtarchiv Traunstein zum Preis von 29,95 € erworben werden.

298-2015_01_Reklamemarke Georgiritt Stadtarchiv Traunstein

Reklamemarke für den Georgiritt aus dem Jahr 1912

298-2015_02 Kur- und Verschönerungsverein Traunstein Ruheposten Stadtarchiv Traunstein

Titelseite der vom Kur- und Verschönerungsverein Traunstein 1911 herausgegebenen Broschüre „Traunstein – Mein Ruheposten?“ zur Gewinnung finanzkräftiger Neubürger

 

 

 

 

 

 

 

 

Carola Westermeier

Pressereferentin der Stadt Traunstein