Bayerns Innenstädte digitalisieren – traditionelle Feste erhalten

Rund 40 Vertreter bayerischer Städte trafen sich zur Fachtagung des Berufsverband City- und Stadtmarketing Bayern (AKCS e.V.) im oberfränkischen Lichtenfels

Wie können wir unsere Innenstädte fit machen für den Kunden der Zukunft? Schwerpunktthema war wieder einmal die Digitalisierung im Stadtmarketing. Die Problematik der Digitalisierung unserer Innenstädte und das erfolgreiche Nebeneinander von online und offline beschäftigt die Citymanager seit Jahren. Nach wie vor gibt es keine allgemein umsetzbare Patentlösung – die Entwicklungen sind ständig im Wandel und die Rahmenbedingungen vor Ort extrem unterschiedlich.
Beispiele für kommunale Digitalisierungsstrategien
In der Tagung wurden die Erfahrungen aus Erlangen „erlebnis-erlangen“ und Neuburg an der Donau „neuburg.com“ vorgestellt. Welche Ziele werden verfolgt? Warum muss sich das Stadtmarketing einbringen? Mit welcher Technik sollen die Ziele erreicht werden? Sind beacons, Geofencing, etc. sinnvolle Maßnahmen? Welche Kooperationspartner werden eingebunden? Wie erfolgen die Finanzierung und die Umsetzung? Diese Fragen wurden im anschließenden Erfahrungsaustausch diskutiert. „Bei allen Überlegungen und technischen Möglichkeiten dürfen wir niemals den Kunden vergessen. Es gilt nach wie vor, dass der Wurm dem Fisch schmecken muss und nicht dem Angler.“ So AKCS-Vorsitzender Klaus Stieringer.
Traditionelle Feste in Gefahr
Die Einstellung der Sandkerwa in Bamberg hat in den vergangenen Tagen für ein großes Presseecho gesorgt. Traditionelle Feste in Bayern sind aufgrund der hohen Sicherheitsforderungen und der damit verbundenen explodierenden Kosten in Zukunft wahrscheinlich in Gefahr. Schon heute ziehen sich insbesondere viele ehrenamtliche Veranstalter zurück, weil sie die überbordende Verantwortung für die Sicherheit der Feste nicht mehr tragen wollen. Die Bamberger Sandkerwa erzeugt heute etwa 10mal so viel Kosten für Sicherheitsmaßnahmen wie noch vor fünf Jahren. Das ist nicht hinnehmbar. In den nächsten beiden Fachtagungen in Neumarkt/Oberpfalz sowie in Rothenburg ob der Tauber soll im Erfahrungsaustausch intensiv auf Risiken, Mehrkosten und Haftung bei Veranstaltungen speziell eingegangen und Lösungen gefunden werden.
Eu-Beihilfe- und Vergaberecht
Das „EU-Beihilfe- und Vergaberecht“ beschäftigt die bayerischen Citymanager. Sind die erfolgreichen öffentlich-privaten Organisationsformen ein Auslaufmodell? Christian Bitter, Geschäftsführer des AKCS e.V., gab einen Überblick über den Rechtsstand, Schwellenwerte, Bagatellgrenzen und erläuterte Möglichkeiten, dem generellen Beihilfeverbort entgegenzuwirken und rechtskonforme Lösungen umzusetzen. Dass die Thematik keine reine Theorie ist, sondern die Stadtmarketing- und Tourismusorganisationen in Bayern bereits erreicht hat, zeigten die Ausführungen von Rainer Hesse, GF Kaufbeuren Tourismus- u. Stadtmarketing e.V. Dort hat der Stadtrat erst jüngst entschieden, den Verein über einen Verwaltungsakt mit bestimmten Aufgaben zu betrauen.

Lichtenfels ist spitze
Bürgermeister Andreas Hügerich betonte die wesentliche Bedeutung eines professionellen Stadtmarketings für Lichtenfels. Um die Vermarktung des Standorts noch mehr zu stärken, wurden die Abteilungen Stadtmarketing, Tourismus, Kultur, Pressearbeit und Wirtschaftsförderung zu einem Amt zusammengefasst. In seiner Doppelfunktion als Leiter dieses Amtes und Vorstand des Stadtmarketingverein Lichtenfels e.V. stellte Steffen Hofmann sein Aufgabenspektrum vor. Neben klassischen Citymarketing-Aufgaben, spielt hierbei auch der Bereich der Stadtentwicklung eine große Rolle. Mit diversen Förderprogrammen, wie z.B. dem Fassadenprogramm oder dem Geschäftsflächenprogramm werden Leerstände vermieden und neue Betriebe angesiedelt.
Die deutschlandweit bekannte Korbstadt setzt stark auf eine prosperierende Zukunft von Stadt und Region. In vorbildlicher Weise haben in Lichtenfels alle Akteure aus Wirtschaft und Verwaltung gemeinsam dafür gesorgt, das weltweit agierende Spitzenunternehmen Concept Laser 3D-Druck in Lichtenfels zu halten und optimale Bedingungen für ein beeindruckendes Wachstum der Branche zu schaffen. Die Teilnehmer des AKCS-Erfahrungsaustausches hatten im Anschluss der Tagung, die Möglichkeit, die Zukunft industrieller Fertigung hautnah mitzuerleben.